Magazin für Mobilität, Verkehrspolitik und Fahrradkultur Herausgegeben vom ADFC Sachsen e. V.

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Interviews

Fahrraddiebstahl in Sachsen: Silvaine Reiche vom LKA Sachsen im Interview mit dem Reflektor.

Wie viele Räder wurden 2009 als gestohlen gemeldet und wie hoch ist die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstahl in Sachsen und wie hoch in Chemnitz, Dresden und Leipzig?

Im Freistaat Sachsen wurden letztes Jahr 13.212 Fahrräder gestohlen. Die Aufklärungsquote lag bei 10%. In Chemnitz wurden 18% der gestohlenen Räder wieder gefunden, in Dresden 5,3% und in Leipzig 7,4%.

Wie hoch ist die Aufklärungsquote bei vergleichbaren Straftaten (Autodiebstahl, Diebstahl von Motorrädern/Mofas, sonstiger Diebstahl)?

Beim Autodiebstahl liegt die Aufklärungsquote bei 19,5%, bei Motorrädern und Mopeds bei 25,9%. In der Kategorie "sonstiger Diebstahl" wurden 34,6% der Fälle aufgeklärt.

Wie kommt es zu der geringeren Aufklärungsquote beim Fahrraddiebstahl?

Fahrräder lassen sich leichter stehlen, auseinanderbauen und umlackieren. Oft werden ja die Einzelteile gestohlener Räder, zum Beispiel im Internet, weiterverkauft. Da ist eine Strafverfolgung schwierig.

Sollte man einen Fahrraddiebstahl in jedem Fall anzeigen?

Man sollte einen Fahrraddiebstahl auf jeden Fall zur Anzeige bringen, da es sich um eine Straftat handelt.

Was unternimmt die Polizei, wenn ein Fahrraddiebstahl zur Anzeige gebracht wird?

Die Polizei versucht den Diebstahl, wie jede andere Straftat auch, aufzuklären und das entwendete Rad über entsprechende Fahndungsausschreibungen und andere polizeiliche Ermittlungen zu finden und an den Eigentümer zurück zu geben.

Wie hoch ist die Dunkelziffer der nicht gemeldeten Fahrraddiebstähle?

Dunkelfelduntersuchungen auf dem Gebiet des Fahrraddiebstahles wurden bisher nicht durchgeführt. Wir gehen davon aus, dass es eine hohe Dunkelziffer gibt.

Was kann man für die Sicherheit des eigenen Rades tun?

Zum einen ist es wichtig, das Rad mit einem robusten Schloss anzuschließen. Ungeeignet zur Sicherung von Fahrrädern sind Speichenschlösser, da sie lediglich ein Rad blockieren. So lässt sich das Fahrrad ohne Mühe wegtragen. Wir empfehlen VdS-anerkannte Schlösser der Klasse A. Wichtig ist auch, Fahrradrahmen samt Vorder- oder Hinterrad mit o. g. Schlössern an einen fest verankerten Gegenstand, zum Beispiel einem Laternenpfahl, anzuschließen. Auch im Fahrradraum sollte das Fahrrad angeschlossen sein.

Zur Befestigung von Sattel, Vorder- und Hinterrad lassen sich die handelsüblichen Schnellspanner beispielsweise durch Fabrikate mit codierten Verschraubungen ersetzen. Diese sind nur mit dem passenden Zentralcodeschlüssel zu öffnen.

Wir empfehlen, das Fahrrad zu codieren. Selbst wenn das Fahrrad nicht in der polizeilichen Sachfahndung notiert ist, führt die Codierung zumindest zur Wohnanschrift des Eigentümers. Als Alternative zur Codierung bietet der Fahrradhandel vereinzelt elektronische Kennzeichnungen an, bei denen ein Mikrochip im Fahrradrahmen die wesentlichen Daten des Fahrrades und des Eigentümers enthält.

Was empfehlen Sie zu tun, wenn man jemand anderen mit dem eigenen (gestohlenen) Fahrrad sieht?

Zunächst sollte man natürlich unverzüglich die Polizei verständigen. Ein Täter kann "festgehalten" werden bis die Polizei eintrifft (Jedermannsrecht). Nach § 127 Abs. 1 Strafprozessordnung haben Sie als Besitzer, aber auch jeder andere Bürger das Recht, diese Person "vorläufig festzunehmen" und bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten.

Es ist natürlich zu empfehlen, dies nur zu tun, wenn kein persönliches Risiko für Leib und Leben besteht. Wichtig ist auch, dass man sich Unterstützung und Hilfe durch "Dritte" holt.

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